Mit Studienkosten die Steuerlast reduzieren

Sie haben als Student noch kein geregeltes Einkommen, aber hohe Ausgaben während des Studiums? Nun, dann sind Sie damit nicht alleine, denn den meisten Studenten geht es so. Eine Steuererklärung hilft Ihnen da aber auch nicht weiter, denn Sie haben ja nichts abzusetzen, denken Sie?

Da liegen Sie falsch, denn auch als Student können Sie durch die Abgabe einer Steuererklärung Geld sparen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, die Studienkosten steuermindernd geltend zu machen. In welchen Fällen das geht und wie es funktioniert, werden Sie im Folgenden erfahren.

Der Verlustvortrag macht’s möglich …


Sie haben eigentlich weder Zeit noch Lust, sich mit dem Thema Einkommenssteuerrecht zu befassen? Das sollten Sie aber, denn möglicherweise kann die investierte Zeit bares Geld wert sein. Die wichtigsten Punkte zum Thema schauen wir uns jetzt im Folgenden genauer an, damit Sie schon einmal Überblick erhalten.

Der sogenannte Verlustvortrag dient dazu, dem Finanzamt aufzuzeigen, welche finanziellen Verluste Ihnen durch das Studium entstanden sind. Treten Sie anschließend aktiv ins Berufsleben ein, werden diese Verluste in den Folgejahren mit Ihren Einkünften verrechnet, das heißt, Sie zahlen weniger Steuern. Die Studienkosten werden sozusagen über die Studienjahre angehäuft, als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemacht und als Verlust vorgetragen. Entscheidend ist dabei aber, ob das Studium Ihre Erstausbildung ist oder ob Sie vorher schon eine Berufserstausbildung absolviert haben, berufsbegleitend studieren oder sich im Zweitstudium befinden. Nur die Fort- und Weiterbildungskosten lassen sich nämlich als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Erststudierende, die zuvor noch keinerlei Ausbildung absolviert haben, profitieren hingegen nicht von der Verlustvortragsmöglichkeit. Sie können die während des Studiums entstandenen Kosten lediglich als Sonderausgaben geltend machen. Allerdings ist der Betrag dabei pro Jahr auf maximal 6000 € beschränkt. Verpassen Sie die Deadline für die Abgabe der Steuererklärung, können Sie die Sonderausgaben aus dem Vorjahr nicht mehr geltend machen.

Begründet wird diese Regelung damit, dass die Weiterbildungskosten in direktem Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit stehen und sozusagen die „Negativseite“ der Einkünfte bilden. Daher lassen sich diese beiden Posten auch im Rahmen der späteren Berufstätigkeit miteinander verrechnen. Das gilt auch dann, wenn Sie während Ihrer Fortbildung etwa durch Studenten- oder Aushilfsjobs Einkommen aufzuweisen haben. Der Verlust muss vom Finanzamt allerdings in einem gesonderten Bescheid festgestellt werden, damit er später als Abzugsposten berücksichtigt werden kann.

Welche Kosten sind absetzbar?


Im Vergleich zum Erststudium können Sie beispielsweise in einem Zweitstudium nahezu alle im Rahmen dieser Weiterbildung anfallenden Aufwände als Werbungskosten geltend machen. Dazu gehören unter anderem Entfernungspauschalen von der Wohnung zur Lehreinrichtung, Studiengebühren, Kosten für Fachbücher, Schreibwaren, Computer samt Zubehör oder Porto. Ihre Telefon- und Internetgebühren können Sie zu mindestens 20 Prozent absetzen. Sofern Sie entsprechende Nachweise vorlegen, dass der Anteil der beruflichen Nutzung höher ist, gelten auch entsprechend höhere Sätze. Gebühren für Abschlussurkunden, Umzugskosten bei Aufnahme einer Berufstätigkeit, Büromöbel oder eventuelle Aufwände, die Ihnen durch ein Praktikum entstehen, werden ebenfalls berücksichtigt. Das heimische Büro kann unter bestimmten Umständen auch von der Steuer abgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Ihnen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Das heißt, sollten Sie etwa als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni einen eigenen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen haben, können Sie Ihr Büro nicht ohne Weiteres absetzen. Steht Ihnen nur Ihr heimisches Arbeitszimmer zur Verfügung, ist es je nach Nutzung ganz oder gegebenenfalls auch nur teilweise von den Steuern abzugsfähig. Bildet es den Mittelpunkt Ihrer Arbeit, werden die Kosten komplett berücksichtigt, nutzen Sie es aber nur teilweise für Ihre Weiterbildung können maximal 1.250 € dafür als Werbungskosten angerechnet werden.

Wissenswertes zum Auslandsstudium


Haben Sie sich entschlossen, Ihr Aufbaustudium zum Master oder ein Ergänzungsstudium im Ausland zu absolvieren, können Sie die damit verbundenen Kosten in der Regel ebenfalls absetzen. Das gilt unter anderem für Studiengebühren, Aufwände für Fachliteratur sowie Kosten für Flüge und Visa. Allerdings trifft das nur zu, wenn Sie nach Abschluss des Studiums Ihr Geld auch in Deutschland verdienen wollen. Arbeiten Sie hingegen danach im Ausland, können Steuerbescheide vom Finanzamt auch nachträglich noch zu Ihren Ungunsten verändert werden. Darüber hinaus muss sich der Standort der Universität in einem Mitgliedsstaat der EU, des EWR oder der Schweiz befinden. Wichtig ist dabei vor allem, dass der dort erworbene Abschluss in Deutschland nachweislich anerkannt ist. Das Finanzamt prüft vor Anrechnung der Studienkosten in der Regel auch, ob durch Ihre Fortbildung im Ausland die beruflichen Chancen verbessert werden. Sie sollten also als Vollzeitstudent an Ihrer Universität eingeschrieben sein und über einen regulären Semesterstundenplan verfügen. Damit möchte das Finanzamt sichergehen, dass Sie nicht nur das Touristenleben im Ausland genießen, sondern vor allem etwas für Ihre berufliche Zukunft tun. Dauert Ihr Aufbaustudium im Ausland länger als ein Jahr, fällt in der Regel die unbeschränkte Steuerpflicht weg und Sie können die Kosten nicht mehr als Werbungskosten deklarieren.

Doppelte Haushaltsführung für Studenten?


Ja, auch das wird unter bestimmten Voraussetzungen vom Finanzamt im Rahmen des Verlustvortrags anerkannt. Sie können die Miete für Ihre Studentenunterkunft geltend machen, wenn Sie im Heimatort eine eigene Wohnung haben. Es reicht also nicht aus, nur bei den Eltern gemeldet zu sein. Darüber hinaus sollten Sie auch immer wieder dorthin fahren und die entsprechenden Fahrtkosten angeben. Das ist für das Finanzamt ein Nachweis, dass Ihr Lebensmittelpunkt noch zu Hause und die doppelte Haushaltsführung somit auch wirklich Fakt ist. Zwar kann sich die Wohnung durchaus im Elternhaus befinden, aber Sie sollten dort nachweislich Ihren eigenen Haushalt führen. 

Ein paar Besonderheiten …


… wie etwa der Erhalt eines Stipendiums oder eines Kredits für das Studium gibt es hinsichtlich der steuerlichen Absetzbarkeit noch zu beachten. Gehören Sie zu den Glücklichen, die in den Genuss eines Stipendiums gekommen sind, können Sie dennoch Steuern sparen. Die Einnahmen aus einem Stipendium sind in der Regel steuerfrei, da sie als Ausbildungsförderung gelten. Darüber hinaus können Sie aktuell nur die Mehrkosten, die nicht durch das Stipendium abgedeckt sind, ebenfalls geltend machen.
Oder haben Sie einen Kredit aufgenommen, um der Studienkosten Herr zu werden? Nun, dann können Sie die Kreditzinsen in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Wenn Sie noch kein Einkommen haben, gelten diese als Verlust, der vorgetragen und mit späteren Einkünften verrechnet werden kann.

Formulare und Abgabefristen


Für Ihre Einkommenssteuererklärung benötigen Sie zumindest die folgenden drei Formulare:

  • Mantelbogen
  • Anlage N
  • Anlage Vorsorgeaufwand

Der Mantelbogen ist sozusagen das Herzstück der Steuererklärung und enthält alle wichtigen Daten im Überblick. Dazu gehören beispielsweise allgemeine und persönliche Angaben wie Wohnsitz, Beruf, Geburtsdatum und Bankverbindung. Darüber hinaus werden dort Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen sowie gegebenenfalls eine Vollmacht für die Zusendung des Steuerbescheides etwa an Ihren mitwirkenden Steuerberater eingetragen.

Anlage N benötigen Sie, wenn Sie Ihre Studienkosten als Werbungskosten geltend machen können und die Anlage Vorsorgeaufwand ist für Angaben zur Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung vorgesehen.

Sind alle Einnahmen und Ausgaben korrekt aufgelistet, kreuzen Sie im Mantelbogen Ihrer Einkommenssteuererklärung das Feld „Antrag auf Verlustfeststellung“ an. Ihr zuständiges Finanzamt registriert und speichert Ihre Verluste und verrechnet diese, sobald Sie Ihr eigenes Einkommen haben.

Da die Mehrzahl der Studenten zur Gruppe der Steuerfreiwilligen zählt, gilt der 31. Dezember eines Jahres als Deadline für die Abgabe der Steuererklärung. Aktuell können Sie diese als Student jedoch auch noch bis zu sieben Jahre rückwirkend einreichen. Bei fehlerhaftem Steuerbescheid kann innerhalb von 30 Tagen Einspruch erhoben werden. Allerdings hat der Bundesrat bei den Gesetzgebern schon eine Reduzierung der Siebenjahresfrist für Verlustfeststellungsanträge auf vier Jahre gefordert. Das heißt mit anderen Worten, das Blatt kann sich in diesem Punkt jederzeit wenden.

Was noch wichtig ist

 

Die später ausgeübte Berufstätigkeit muss einen Bezug zum absolvierten Zweit- oder Weiterbildungsstudium haben, damit das Finanzamt Ihren Verlustvortrag anerkennt. Haben Sie beispielsweise Jura studiert und arbeiten anschließend als Rechtsanwalt, wird das Finanzamt Ihre Verluste problemlos akzeptieren. Studieren Sie jedoch etwa Germanistik oder Philosophie und arbeiten anschließen als Rettungsassistent, ist es durchaus möglich, dass Ihr Verlustvortrag nicht anerkannt wird. In diesem Fall könnte das Finanzamt nämlich als Begründung für eine Ablehnung den fehlenden Bezug des Studiums zur ausgeübten Tätigkeit anführen.

Zu beachten ist auch, dass das Finanzamt Nachweise fordern kann, die zeigen, dass Sie Ihre Rechnungen selbst gezahlt haben. Das heißt, wenn Sie beispielsweise von Ihren Eltern finanziell unterstützt werden und diese Ihre Rechnungen überweisen, können Ihre geltend gemachten Werbungskosten unter Umständen gestrichen werden. Das gilt auch für die Miete, die Sie gegebenenfalls für Ihre Studentenunterkunft zahlen. Hier ist der Fiskus einfach der Meinung, dass Sie als Student keine Vorteile für Kosten, die andere für Sie übernehmen, einstreichen sollten. Es spricht jedoch nichts dagegen, wenn Sie sich die finanzielle Hilfe Ihrer Angehörigen einfach als Pauschale auf Ihr Konto überweisen lassen.

Übrigens, auch wenn Sie als Student Ihre Ausgaben in der Einkommenssteuererklärung geltend machen, können Ihre Eltern dennoch den Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 € pro Kalenderjahr für Sie ansetzen. Ebenso bleibt der Anspruch auf Kinderfreibetrag und Kindergeld bestehen. Jedoch ist trotz Verlustvortrag nicht gewährleistet, dass die aktuellen Regelungen auch dann noch zutreffen, wenn Sie nach Ihrem Universitätsstudium in das Berufsleben starten. Das Bundesfinanzamt arbeitet nämlich an einer Änderung dieses Gesetzes und die kann schlimmstenfalls auch noch rückwirkend geltend gemacht werden. Ein Beispiel dazu – vor mehr als zehn Jahren entschied der Bundesfinanzhof schon einmal, dass Studienkosten als Werbungskosten geltend gemacht werden können. Nur ein Jahr später gab es wieder eine Gesetzesänderung, nach der diese Kosten nur noch als Sonderausgaben für das gleiche Jahr abgesetzt werden konnten. Im November 2014 deklarierte der Bundesfinanzhof dann die Ungleichbehandlung von Erst- und Zweitstudium als verfassungswidrig. Dazu hat das Bundesverfassungsgericht bisher jedoch noch keine Entscheidung getroffen.

Unabhängig davon lohnt sich auch für Sie als Student auf jeden Fall die jährliche Abgabe der Einkommenssteuererklärung. Dabei sind die im Folgenden noch einmal zusammengefassten Punkte zu beachten:

  • Belege über entstandene Kosten (z. B. Computer, Fachbücher, Büromaterialien, Studiengebühren, Fahrtkosten, etc.) sammeln und abheften
  • Rechnungen selbst bezahlen
  • Steuererklärung ausfüllen und ggfs. „Antrag auf Verlustfeststellung“ im Mantelbogen ankreuzen
  • Einnahmen und Ausgaben in die Anlage N eintragen
  • Steuererklärung beim Finanzamt einreichen

Zusammenfassend sei gesagt, dass auch Studenten, die noch kein eigenes Einkommen beziehen, jährlich Ihre Einkommenssteuererklärung abgeben sollten. Kosten, die beispielsweise im Zusammenhang mit einem Hochschulstudium entstehen, können nämlich in der Regel geltend gemacht werden. Als Werbungskosten sind diese Ausgaben im Rahmen eines Verlustvortrags absetzbar, sofern es sich bei der Weiterbildung um ein Zweitstudium handelt oder vorab schon eine Ausbildung abgeschlossen wurde. Hierbei werden die Ausgaben sozusagen „gesammelt“ und verrechnet, sobald Sie mit Ihrem erlernten Beruf Geld verdienen. Ist das Hochschulstudium allerdings die Erstausbildung, werden die damit verbundenen Kosten in der Einkommenssteuererklärung aktuell noch für das jeweilige Jahr als Sonderausgaben deklariert. Diese Regelung kann sich gegebenenfalls je nach Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes künftig ändern.

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Markus Fischer hat 4,80 von 5 Sternen | 116 Bewertungen auf ProvenExpert.com